Restauratorische und konservatorische Maßnahmen am historischen Grabdenkmal HÜNICH  im Alten Annenfriedhof in Dresden.

Das  Grabmal des Ratsmaurermeisters HÜNICH im Alten Annenfriedhof Dresden stammt aus dem 19. Jahrhundert und zählt mit zu den ältesten Denkmalen des Friedhofsensembles.  Der bisherige Standort in der Nähe eines Baumes bzw. der anstehende Wurzeldruck führte dazu, dass das Denkmal um ca. 10 cm aus dem Lot geraten war, was zu einer Beeiträchtigung der Statik führte.  Die Oberflächen der Tympanonverdachung (Sandstein der Cottaer Varietät) waren insgesamt entfestigt und einzelne Profilierungen (Zahnschnitt und Karniese) wiesen bereits größere Fehlbereiche auf. Die originale farbige Fassung der Ansichtsflächen des Mittelstückes (Sandstein der Postaer Varietät)sowie der Inschriften war in Teilbereichen relativ gut erhalten bzw. noch ablesbar. An den Oberflächen des Sockelbereichs (Sandstein der Postaer Varietät) waren Krustenbildungen – bedingt durch  austretende Salze – zu verzeichnen. Das Konzept der Denkmalbehörde und des Friedhofsträger sah zunächst eine Veränderung des Standortes in größerer Entfernung zum Baum vor.  Zum Erhalt und zur Rekonstruktion der Inschrift am Grabdenkmal wurden im Einzelnen folgende restauratorische und konservatorische Maßnahmen festgelegt und durch uns  -im Zeitraum 2018-2019 –  am Denkmal durchgeführt:

  • Vorfestigung : Partielle Vorfestigung absandender Steinoberflächen mit  verdünntem Steinfestiger (Remmers) auf Basis Polykieselsäureester.
  • Demontage- und Transportleistung: Einzelteile des Grabmonuments mittels Portalkran und Flaschenzug behutsam demontiert, auf Lkw verladen und Transport in die Werkstatt.
  • Reinigung:  Behutsame Reinigung der gesamten Sandsteinoberflächen durch trockene Absaugung mittels weicher Bürste, Pinsel und Skalpell.
  • Entsalzung:  Partielle Kompressenentsalzung im Sockelbereich auf Basis Cellulosefaser bzw. Arbocell, Bentonite und Quarz.
  • Festigung:  Partielle Festigung mürber und absandender Bereiche durch mehrmaliges Fluten mit einem Steinfestiger auf Basis Polykieselsäureester.
  • Anböschungen: Schalen – und Rißbildungen mit Skalpell freigelegt und mineralisch hinterfüllt sowie Anböschungen mit mineralischer SE-Masse vorgenommen.
  • Ergänzungen mit Steinersatzmasse:   Partielle Ergänzungen durch Antragungen mit mineralischer  SE-Masse – auf Null auslaufend- folgender Fehlstellen: – Zahnschnitt  – Profilkanten der Tympanonverdachung  – Kanten der rustizierten Lisenen.
  • Rissverpressung:  Rissverpressung und Verfüllung durch Injektion mit modifiziertem Kieselgel.
  • Farbliche Retusche:  Lasurauftrag lt. Befund mit modifizierter Lasur auf Basis Keim’scher Pigmente . Zielsetzung war eine dezente Rekonstruktion der originalen farbigen Fassungen unter Wahrung des historischen Gesamterscheinungsbildes.
  • Erneuerung der Inschrift / Römische Antiqua und Kursiva:   Vorhandene Inschrift mit Skalpell freigelegt bzw. lose Farbreste entfernt. Text der Inschrift teilw. rekonstruiert mit Schellack grundiert und lt. Befund neu farbig gefasst.
  • Fundament und Versetzarbeit :  Neues Fundament (ca 1.5 m entfernt vom Wurzelbereich des Baumes) frosttief gegründet, mit Schwerbetonsteinen aufgemauert, verfüllt und verdichtet einschl. Schachtarbeit  und Erdabfuhr.Einzelteile des Grabmonuments geliefert und mittels Portalkran und Flaschenzug auf neuer Gründung fach gerecht versetzt einschl. Verfugung mit pigmentiertem Trasskalkmörtel und Nachreinigung.
  • Fotodokumentation :  Die folgende Bildergalerie zeigt einige Aufnahmen vom Zustand des Denkmals vor und nach der Maßnahme sowie einige, wesentliche Phasen der Restaurierung:

Elmar

Steinmetz- und Steinbildhauermeister, Staatl. gepr. Steintechniker,

2 Antworten

  1. Rolf sagt:

    Herzlichen Dank, ich freue mich über diese Dokumentation. Viel zu selten erfährt man näheres über diese Arbeiten.
    Schön ist es geworden!

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